24.11.2011

von B°TF

Vom Barock zum Art Déco

Neue Dauerausstellung ab dem 25.11.2011. Das Porzellanikon Hohenberg präsentiert sich in einem neuen Erscheinungsbild.

Zitronenknaufterrine aus dem "Churfürstlichen Hofservice", Nymphenburg, 20. Jahrhundert

Die hohe Frisur, Porzellanikon Hohenberg

Erdbeerservice, Königl. priv. Porzellanfabrik Tettau, um 1880

Fast ein Jahr nach dem Ende der epochalen Großausstellung "Königstraum und Massenware. 300 Jahre europäisches Porzellan" steht das Porzellanikon Hohenberg a. d. Eger – Deutsches Porzellanmuseum stolz am Neubeginn des Hauses. Am 24. November eröffnet man dort die neu überarbeitete Dauerausstellung "Vom Barock zum Art Déco". Die zurückliegenden elf Monate hat man damit nach dem Abbau der erfolgreichen Sonderschau dem Umbau, der Renovierung und der Modernisierung des Hauses gewidmet. Heute erzählt man dort mit einem geänderten innenarchitektonischen Konzept und der aktualisierten Präsentation einer Sammlung, die Geschichte des Porzellans in den deutschsprachigen Ländern neu.

Ein solcher Schritt zu Zeiten knappster Kassen und beklemmend klammer kommunaler Finanzen? Im Porzellanikon, getragen vom Zweckverband Deutsches PorzellanMuseum, wurde das aus drei Gründen möglich. Zum einen hatte man vorausschauend schon bei der Sonderausstellung auf weiter verwertbare, umbaubare architektonische Elemente und Konzepte geachtet. Zum zweiten verfügt das Haus über vorzügliche eigene Werkstätten und Handwerker. Und schließlich ist der Fundus des größten europäischen Porzellanmuseums derart umfassend, dass man auch Kennerinnen und Kennern des Hauses immer wieder neue und interessante Beispiele, seltene Ausformungen und meisterliche Porzellan-Exponate präsentieren kann.


Fakten
Neue Dauerausstellung "Vom Barock zum Art Déco“;

Porzellanikon Hohenberg, Schirndinger Straße 48, 95691 Hohenberg a. d. Eger;

ab 25. November 2011;
Dienstag bis Sonntag 10 - 17 Uhr

"Ganz bewusst", so der langjährige Direktor des Hauses, Wilhelm Siemen, "haben wir darauf gesetzt, die moderne Diktion der Sonderausstellung übernehmen zu können. Der lichte, leichte Charakter der Gründerzeit-Villa wie des Anbaus aus den 90er Jahren wird damit unterstrichen." Großformatige, hinterleuchtete Bildwände "führen dabei den Kontext des Dargestellten lebendig vor Augen", so Siemen. So finden sich etwa beim Thema Dekore des 18. Jahrhunderts ins Riesenhafte vergrößerte Details. Während das Rokoko beispielsweise, bekannt für seine prächtigen Feste bei Hofe, durch die ebenfalls drei mal vier Meter große Darstellung eines venezianischen Balles illustriert wird - Bilder zum Sattsehen! Ergänzt werden diese durch reale Inszenierungen, die die beispielhaften Porzellane in zeittypische Zusammenhänge stellen. Erläuternde Texte dazu finden sich auf übersichtlichen, gut lesbaren Glasträgern.

Schon an Ostern, danach zu Pfingsten, hatte man im Porzellanikon Hohenberg a. d. Eger zwei erste Teilabschnitte des Museums wieder öffentlich zugänglich gemacht. So war gewährleistet, dass dem interessierten Publikum über die Sommerzeit die Epochen des Jugendstil und Art Déco sowie das Porzellan des 19. Jahrhunderts in einem neuen Arrangement gezeigt werden konnten. Damit hatte man das berühmte Pferd von hinten aufgezäumt, und jetzt die noch fehlenden Lücken geschlossen: Der historische Bogen des Porzellans beginnt nun folgerichtig für Europa und ausgehend von Deutschland im Barock. Dem vorgeschaltet wurden einige erlesene Originale aus dem Beispiel gebenden China. Die Adaption des exotischen Vorbildes, aber auch dessen Überwindung zeigen kostbare Stücke der Barockzeit. Denn nachdem das Geheimnis der Massezusammensetzung gelüftet war, entwickelte man geradezu fieberhaft eigene Dekore und Dekortechniken für den europäischen Markt. Dass ein Gesamtkunstwerk wie das gezeigte "Schwanenservice" etwa schon 1737 produziert werden konnte, zeigt die Gestaltungskraft und den Ehrgeiz der deutschen Porzellanmanufakturen.


Auf nunmehr 1800 qm präsentiert sich die Erfolgsgeschichte eines Werkstoffs, der zugleich die wechselvolle Geschichte Europas in den letzten 300 Jahren beredt abbildet. Das Porzellanikon erzählt diese anhand annähernd 1000 neu ausgesuchter, oftmals überraschender Stücke und die einzelnen Epochen anhand zeittypischer Themen. Keiner der großen Namen, keine der namhaften Manufakturen fehlt. Mit einem ebenfalls überarbeiteten Raum für Wechselausstellungen bleibt dem europaweit größten Spezialmuseum für Porzellan nun noch die Aufgabe, die umfangreiche Studienausstellung neu zu gestalten. Man darf gespannt sein.


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